Skip to main content
IK-Aktuelles

Fachkräfte von morgen: Kunststoffverpackungsbranche unter Handlungsdruck

Nachwuchskraefte IStock 1146839696

Die Kunststoffverpackungsbranche steht vor einer großen Aufgabe: Sie muss in einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld Kurs halten und gleichzeitig dringend neue Fachkräfte gewinnen. Denn es gibt eine strukturelle Nachwuchslücke, die sich durch das altersbedingte Ausscheiden der Babyboomer weiter verschärfen wird. Besonders stark ist der Engpass in technischen Ausbildungsberufen wie Kunststofftechnologie, Industriemechanik und Mechatronik. Gleichzeitig wird auch der akademische Nachwuchs knapper: Technische Hochschulen, Universitäten und Fachhochschulen melden seit einigen Semestern rückläufige Studierendenzahlen. 

 

Im dualen Ausbildungssystem sinkt die Zahl der Bewerbungen seit Jahren, viele Lehrstellen bleiben unbesetzt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Unternehmen suchen zunehmend Fachkräfte, die klassisches Polymer-Know-how mit Digitalisierung und Circular Economy verbinden, also technische Kompetenz mitbringen und Zukunftsthemen wie Kreislaufwirtschaft von Anfang an mitdenken. 

 

Unternehmen halten sich mit Einstellungen zurück 

Die IK-Konjunkturumfrage zeigt, wie stark Unsicherheit die Planung von Unternehmen in der Branche prägt: Knapp 70 Prozent der Befragten bewerten die allgemeine Wirtschaftslage als schlecht. Für das 1. Quartal 2026 erwarteten zwei Drittel stabile Absatzmengen, rund 18 Prozent gingen von einem Rückgang aus und nur 16 Prozent von einer Verbesserung. Auch bei der Beschäftigung dominiert Zurückhaltung: 63 Prozent gaben an, stabil bleiben zu wollen. 

 

Rund 30 Prozent rechnen mit Personalabbau und nur gut sechs Prozent planen einen Stellenaufbau. Kurzfristig kann das entlasten, weil Unternehmen Neueinstellungen drosseln, um Kosten zu senken. Für die Nachwuchsfrage ist das aber riskant, denn Branchen, die mit Kurzarbeit und Standortverlagerungen verbunden werden, sind für junge Menschen weniger attraktiv. Zieht die Konjunktur dann wieder an, trifft der altersbedingte Abgang erfahrener Fachkräfte dann umso härter. 

 

Junges motiviertes Business-Team aus zwei Frauen und einem jungen Mann, die zusammen an einem Desktop-Computer arbeiten, um Informationen auf dem Bildschirm zu diskutieren, konzentrieren Sie sich auf den jungen Mann

© iStock | stockfour

Junge Menschen fühlen sich (noch) nicht angesprochen 

Viele junge Menschen erwarten heute Flexibilität bei Arbeitszeit und -ort, beispielsweise Homeoffice, wie die Studie „Home & Office“ von PWC belegt. In der Produktion ist das nur begrenzt möglich, dadurch wirken klassische Industriearbeitsplätze im Vergleich zu Dienstleistungs- oder Tech-Umfeldern für Teile der Zielgruppe weniger attraktiv. 

 

Auch die öffentliche Debatte über Verpackungsmüll wirkt auf die Berufswahl. Gerade weil viele junge Menschen Sinnhaftigkeit („Purpose“) suchen, kann ein einseitig negatives Bild von Kunststoffverpackungen zur emotionalen Barriere werden. Gleichzeitig liegt genau hier eine große Chance: Wer heute in die Branche einsteigt, kann Veränderung und Transformation konkret mitgestalten, als Teil einer Generation von „Young Talents“, die Kunststoffmaterialien und -verpackungen weiterentwickelt und damit bereits früh Verantwortung übernimmt. Damit werden Chancen sichtbar, die in der Debatte oft untergehen: Beiträge zu nachhaltigem Konsum, zur CO2-Reduktion und zur Kreislaufwirtschaft, etwa durch recyclingfähige Verpackungen, innovatives Design for Recycling, einen höheren Rezyklateinsatz sowie neue Antworten auf die Einweg-/Mehrweg-Diskussion. 

 

Verpackungsbranche bietet viele Möglichkeiten 

Trotz aller Debatten bietet die Branche handfeste Pluspunkte. Verpackungen sind systemrelevant, denn sie schützen Lebensmittel sowie medizinische Produkte. Gleichzeitig ist die Produktion längst High-Tech: Moderne Extrusions- und Spritzgussanlagen sind hochkomplexe, digitalisierte Systeme. Darüber hinaus sind auch Tarifverträge, Schichtzulagen und Sozialleistungen in der Branche sehr gut ausgehandelt, was ein Blick auf die aktuellen Tabellen für die Holz- und Kunststoffindustrie belegt. 

Drei Kollegen treffen sich im Foyer des Firmengebäudes. Einer von ihnen erklärt den anderen beiden neue Geschäftsstrategien.

© iStock | Georgijevic

Nachhaltigkeit verändert Berufe und schafft neue Rollen 

Die Branche bleibt nicht stehen, Nachhaltigkeit und Regulierung verändern Berufsbilder und schaffen neue Rollen. Wer heute Kunststofftechnologie oder Verpackungsentwicklung gestaltet, arbeitet nicht mehr nur mit Neuware, sondern muss mit schwankenden Rezyklat-Eigenschaften (z.B. rPET, rPP) umgehen können. Design for Recycling und Kreislaufdenken werden zur Basis, denn der Abfall von heute ist die Ressource von morgen. Welche Chancen und Berufsperspektiven die Kunststoffindustrie dabei bietet, zeigt auch die Initiative „Dein Kunststoff“ auf der Seite „Zukunftsbranche Kunststoffindustrie“. 

Die Transformation schafft neue Rollen, wie den Rezyklat-Manager oder Rohstoffscouts, die Qualität und Verfügbarkeit von Post-Consumer-Rezyklaten sichern. Oder Circular Economy Manager, die Vorgaben wie Rezyklatquoten und Ökodesign in Strategie und Prozesse übersetzen. Auch LCA-Analysten, die Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessment) erstellen, werden wichtiger, weil Ökobilanzen und der belastbare Nachweis des CO₂-Fußabdrucks künftig stärker zählen. 

 

Kommunikation auf Augenhöhe 

Um Nachwuchskräfte zu gewinnen, spielt Kommunikation eine immer wichtigere Rolle. Entscheidend sind ein lösungsorientiertes Zukunftsbild und ein glaubwürdiges Storytelling über Kreislaufwirtschaft und Transparenz: Was gelingt bereits, wo liegen die Hürden, beispielsweise bei der Rezyklatverfügbarkeit im Lebensmittelbereich? 

 

Ebenso wichtig ist Präsenz auf Augenhöhe. Junge Zielgruppen erwarten Authentizität, und „Aha“-Momente entstehen durch echte Einblicke über digitale Kanäle wie TikTok und Instagram, aber auch auf Jobmessen und im schulischen Umfeld. Wer den Berufsalltag sichtbar macht, zeigt, dass es hier um moderne Prozesse, Teamarbeit und Zukunftsthemen geht, nicht um Klischees. Reine Stellenanzeigen reichen dafür nicht aus. 

Kreative Fachkräfte arbeiten in einem modernen Büro zusammen. Ein vielfältiges Team entwickelt Ideen mithilfe eines Whiteboards, Notizen und eines Laptops. Ein Konzept für eine positive, innovative Arbeitskultur.

© Adobe Stock | SolaruS

Mitgestalten statt nur konsumieren 

Wer 2026 in die Kunststoffverpackungsindustrie einsteigt, arbeitet an einer der großen industriellen Transformationen unserer Zeit und kann aktiv an einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft mitbauen. In einer Branche, die High-Tech, Systemrelevanz und Nachhaltigkeitskompetenz verbindet, entstehen Perspektiven, die weit über klassische Rollenbilder hinausgehen.  

 

Fazit 

Die Nachwuchsfrage ist eine strategische Zukunftsaufgabe. Gerade weil die Personalplanung 2026 vielerorts vorsichtig ist, braucht es jetzt ein klares, ehrliches Zukunftsbild und den Willen, Talente für die Transformation zu gewinnen 

Downloads